Letzte Aktualisierung am 4. Mai 2018 um 09:29

Die eigene Steuererklärung in Deutschland zu erstellen ist bereits, milde ausgedrückt, schwierig. Kommen Gewinne aus Investitionen in Kryptowährungen hinzu, so stehen die meisten vor mehr Fragen als Antworten und der lokale Lohnsteuerhilfe-Verein kann meist nicht mehr weiterhelfen.

Deshalb setzen wir uns heute mit dem viel diskutierten Thema „Krypto & Steuern“ für private Anleger auseinander.

Gewinne aus Währungsgeschäften müssen bei der Steuererklärung angegeben werden – auch Kryptowährungen

Erfolg ist selten garantiert, Steuern schon. Im Jahr 2017 hatten die meisten Investoren in Kryptowährungen und ICOs ein erfolgreiches Jahr mit hohen Gewinnen. Wird die Steuererklärung in 2018 fällig, stehen viele noch vor Herausforderungen die Gewinne aus Kryptoinvestments korrekt anzugeben.

Ob man Nebeneinkommen aus der Vermietung seiner Wohnung auf Airbnb oder dem Handel mit Bitcoin, Ripple, Monero, Cardano & Co. erwirtschaftet, Nebeneinkommen sind grundsätzlich steuerpflichtig.

Alexander wusste nicht wie Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie funktionieren, bevor er auf dem Insider Event von TheCoinscout war. Jetzt hat er sein eigenes Portfolio und ist trotz einigen Korrekturen im Markt noch 139% im Plus mit seinen Investments! Dein persönliches Ticket für das insider Seminar kannst Du Dir hier sichern.

De facto geben ca. ein Drittel aller Millenials Nebeneinkommen nicht beim Finananzamt an und das kann sehr teuer werden. Insbesondere im Bereich Kryptowährungen haben Staat und Finanzamt ein Auge auf die Handelsplätze und Kryptobanken wie Fidor geworfen. Handelsplätze und Banken sind auf Anfrage des Finanzamtes verpflichtet alle Nutzer und deren Daten weiterzugeben. Das bedeutet, wenn man seinen Verdienst aus dem Handel mit Krypto nicht angibt, sich aber Bewegungen auf den Handelsplätzen und Bankkonten nachweisen lassen, steht eine Steuerprüfung ins Haus. Und das kann unangenehme Folgen haben.

Welche Transaktionen sind steuerwirksam?

Das deutsche Finanzamt klassifiziert Krypto-Währungen als im­materielle Wirtschafts­güter. Somit greift das Einkommen­steuer­gesetz. Die BaFin erklärt, dass Kryptowährungen kein gesetz­liches Zahlungs­mittel sind. Steuer­lich behandelt das Finanzamt Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen als gewerbliche oder sonstige Einkünfte.
Gewerbliche Einkünfte fallen bei Unternehmen an, die Krypto akzeptieren oder schlicht im Betriebsvermögen halten. Bei Privat­personen handelt es sich um sonstige Ein­künfte.

Haltefristen bei Kryptowährungen

Ähnlich wie bei Geschäften mit Fiatwährungen gilt eine einjährige Haltepflicht, damit ein potentieller Gewinn steuerfrei ist. Nehmen wir an, ich kaufe mir heute 10.000 USD, um mich für eine USA-Reise im nächsten Jahr gegen Währungsschwankungen abzusichern. Nehmen wir weiter an dafür zahle ich 10.000 €. Nun trete ich die geplante Reise nicht an und möchte die US Dollar gegen Euro zurücktauschen. Der Kurs des Dollars ist in der Zwischenzeit gestiegen und ich würde beim Verkauf 11.000 € bekommen.
Halte ich die 10.000 USD weniger als ein Jahr, so greift die Einkommenssteuer. Das bedeutet der Gewinn von 1000€ muss mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuert werden. Die Höhe hängt vom persönlichen Einkommen ab, das Maximum liegt bei 45%.

Ebenso verhält es sich mit den Gewinnen aus dem Handel mit Kryptowährungen. Wenn ich am 01. Dezember 2016 einen Bitcoin für 600 Euro gekauft und am 02. Dezember 2017 diesen Coin für 9000 Euro wieder an einer Börse verkauft habe, habe ich mein Kapital um ein Vielfaches vermehrt. Nämlich um 8.400 Euro.
Hätte ich nun zwei Tage früher verkauft, wären die gesamten 8.400 Euro steuerpflichtig gewesen und ich hätte entsprechend meinem Einkommenssteuersatz (bis zu 45%) 3.780 Euro abführen müssen.
Durch das Halten der Position über den Zeitraum eines Jahres hinweg, ist die Spekulationsfrist verstrichen und ich kann die gesamten 8.400 Euro steuerfrei einbehalten.

Unterschiede bei der Spekulationsfrist

Der deutsche Staat hat nun im Februar 2018 eine wichtige Entscheidung zur Anwendung der Spekulationsfrist getroffen. Die unterjährige Veräußerung von Kryptowährungen, ist nur dann Steuerpflichtig, wenn ein Gewinn realisiert wird. Der wichtige Aspekt ist „Gewinn-Realisierung“. Nehmen wir an, ich kaufe heute einen Bitcoin und bezahle drei Monate später einen Kaffee in Bitcoin. Theoretisch müsste ich, wenn der Preis von Bitcoin innerhalb der drei Monate gestiegen ist – den Gewinn versteuern. Hier hat das Bundefinanzministerium eine Erklärung abgegeben, dass dies nicht zutrifft. Erwirbt man mit Kryptowährungen ein Konsumgut als Endkunde, sind die Gewinne aus dem Anstieg der Kurse steuerfrei.

Im Gegensatz zu den USA, in den Kryptowährungen steuerlich nicht als Währungen, sondern als Kapitalanlage betrachtet werden ist jede Veräußerung – unabhängig vom Zweck – steuerpflichtig.

Vorsicht bei Reinvestitionen

Das Ausgeben von Krypto für Konsumgüter lässt also die Spekulationspflicht erlischen, richtig? Ja und nein.
Die Definition des Begriffs „Konsumgut“ ist entscheidend. Andere Kryptowährungen gehören nicht dazu. Tausche ich nämlich einen Bitcoin einige Monate nach dem Kauf in eine andere Währung, so gilt die Spekulationsfrist. Das bedeutet ich muss eventuelle Gewinne aus einen Preisanstieg von Bitcoin versteuern. Zudem gilt für die andere Kryptowährung, die ich von meinem Bitcoin gekauft habe wiederum eine einjährige Spekulationsfrist.

Eine Umsatzsteuerpflicht gibt es bei Kryptogeschäften grundsätzlich nicht. Der Umtausch von Bitcoins in andere Währungen ist Umsatzsteuerbefreit. „Bei dem Umtausch konventioneller (gesetzlicher) Währungen in Einheiten der virtuellen Währung ‚Bitcoin‘ und umgekehrt handelt es sich um eine Dienstleistung gegen Entgelt, die unter die Steuerbefreiung nach Art. 135 Abs. 1 Buchst. e der Richtlinie 2006/112/EG des Rates vom 28. November 2006 (sog. EU-Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie, MwStSystRL) fällt“, so die Stellungnahme des Parlamentarischen Staatssekretärs des Bundesministeriums für Finanzen, Dr. Michael Meister.

Freibeträge und Verrechnung von Verlusten

Um den Sachverhalt noch etwas komplizierter zu gestalten, gibt es einen Freigrenze von 600€, Gewinne bis 600€ müssen nicht versteuert werden. Wird diese Grenze überschritten, ist der volle Gewinn steuerpflichtig.

Allerdings hat man die Möglichkeit Verluste zu verrechnen. Macht man mit Bitcoin 800€ Gewinn und mit Litecoin 200€ Verlust, beträgt der Gewinn 600€ und ist Dank der Freigrenze auch unterjährig Steuerfrei.

Berechnung der Steuern nach den FIFO Verfahren

Grund­sätz­lich gilt buchhalterisch das FIFO-Verfahren. FIFO steht für FirstIn-FirstOut. Das Finanzamt nimmt an, dass zuerst gekaufte Kryptowährungen auch zuerst verkauft werden.
Sehen wir uns das FIFO-Prinzip an einem konkreten Beispiel an:

01.01.2017: Kauf 1 Btc zu 830,00 Euro
01.03.2017: Kauf 1 Btc zu 978,00 Euro
02.01.2018: Verkauf 1 Btc zu 11.235,00 Euro
02.02.2018: Verkauf 0,5 Btc zu 6.682,00 Euro

Der Verkauf am 02.01.2018 von 1 Btc ist steuerfrei, da die Position länger als ein Jahr gehalten wurde.
Der Verkauf vom 02.02.2018 hingegen nicht. Da die Haltefrist von einem Jahr noch nicht erreicht wurde, muss ich auf den Gewinn (5.704 Euro) Einkommenssteuer zahlen. Hätte ich die Position einen weiteren Monat gehalten, wäre auch diese steuerfrei.

Generell gilt: Jegliche Ein- und Aus­zahlungen auf Bankkonten und Depots müssen dokumentiert werden und alle Geschäfte in der Steuererklärung angegeben werden. Hierfür gibt es eine gesonderte Anlage SO. Ob ein Kryptogeschäft nun steuerpflichtig ist oder nicht, setzt das Finanzamt in erster Linie durch die Prüfung der Haltefrist fest.

Damit dürften Steuern eines der Argumente zum HODLEN sein. Fraglich ist nur, ob das staatlich auch so beabsichtigt war.

Wenn Ihr weitere Fragen habt, hinterlasst einen Kommentar und wir helfen Euch gerne weiter!

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Über den Autor

Seit Jahren faszinieren mich Finanzmärkte. Leider hatte ich nie einen Zugang dazu und mir fehlte jemand, der mir zeigt, wie ich planbar damit Geld verdiene. Ich habe in Konzernen, der Politik und Start-Ups gearbeitet und habe viel gelernt, wie Unternehmen Geschäfte machen. Allerdings konnte ich dieses Wissen nicht für mich nutzen. 2014 bin ich auf eine Bitcoin-Konferenz gegangen und habe in Bitcoin investiert. Obwohl nun Bitcoin in aller Munde war, fand ich es krass, wie wenig meine Freunde und Bekannte über Kryptowährungen und die Blockchain wussten. Das wollte ich ändern und daraus ist TheCoinscout entstanden. Du willst mehr erfahren? Hinterlasse einen Kommentar oder schreibe uns eine Nachricht!

4 Kommentare

  1. Was ist mit Verlusten beim Handeln? Kaufe für 11.000€ und verkaufe für 9000€.

    Kann ich dann von meinen „Gewinnen“ 2000€ abziehen?

    • Hallo Peter,

      das hängt ganz davon ab, ob Du unternehmerisch tätig bist oder privat.

      Wenn Du gewerblich, also im Rahmen einer unternehmerischen Tätigkeit, mit Krypto handelst, sind die Käufe jeweils als Betriebsausgabe einzustufen. Diese Ausgabe bedeutet eine Gewinnminderung und wirkt sich somit steuermindernd aus. Das trifft sowohl auf Neukauf einer Kryptowährung oder Umtausch in eine andere Währung zu.
      Wenn Du jetzt mehr ausgegeben, als Du später eingenommen hast, kannst Du den Verlust steuerlich geltend machen. Das bedeutet, dieser Verlust kann mit jeglichen Gewinnen verrechnet oder als Verlustvortrag übernommen werden.

      Handelst Du als Privatanleger ohne Firma, ist es etwas anders gestrickt: Potentielle Verluste sind nicht mit anderen Einkünften verrechenbar.
      Das bedeutet aber dennoch, dass Du potentielle Verluste aus dem Handel mit Krypto Deinen Gewinnen verrechnen kannst! Ebenso kannst Du Verluste in das vorherige oder nächste Steuerjahr übertragen! Interessant ist auch, dass Du als Privater auch nicht nur Gewinne/Verluste aus Geschäften mit Kryptowährungen verrechnen kannst; hast du nämlich z.B. eine Immobilie innerhalb der Spekulationsfrist verkauft, kannst Du die Gewinne mit Verlusten aus Krypto verrechnen.
      Gruß, Christian

  2. Adam Pyschny am

    Sehr gut erklärt das ganze, chapeau! Ich hab nur noch Probleme mit forks. Mal ein nicht ganz aus der luft gegriffenes beispiel: Im August 2017 ist BTC zu BTC+BCH geforkt. Die BTC davor wurden jahrelang gehalten und wären steuerfrei. Die BCH habe ich an eine börse geschickt und einen Teil davon in Euro getauscht und davon ein auto gekauft (also kein direktes „Ausgeben von Krypto für Konsumgüter“ sondern umweg über FIAT), den Rest in BTC getauscht, davopn dann direkt einen 3D Drucker gekauft (diesmal gile „Ausgeben von Krypto für Konsumgüter“) und was übrig war zurück in die wallets verschoben.

    Die entscheidende frage ist also, wie denn der geforkte BCH zu beurteilen ist. Wenn BCH bis zum fork quasi „in BTC enthalten“ war, wäre man aus dem schneider weil er dann über 1 jahr gehalten worden wäre. Wenn der fork coin aber als „für 0€ erworben, für XX€ in verkauft“ angesehen wird, werden viele viele steuern fällig.

    • Hallo Adam,

      ein Fork wird nach gängiger Auffassung wie ein Aktiensplit behandelt. Das bedeutet, dass für die Haltefrist das Anschaffungsdatum der ursprünglichen Coins entscheidend ist. In deinem Fall sollten deine Transaktionen steuerfrei sein.

      Grüße

      Sebastian

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