Letzte Aktualisierung am 3. Mai 2018 um 22:21

Bitcoin & Co. sind spätestens nach der rasanten Rally Ende 2017 in der breiten öffentlichen Wahrnehmung angekommen. Entsprechend hat die mediale Berichterstattung zugenommen. Leider habe ich immer wieder den Eindruck, dass über Dinge berichtet werden, die nicht wirklich verstanden werden. Unvollständig eingeordnete Fakten und falsche Tatsachenbeschreibung erzeugen eine negative Grundtonalität in den Artikeln. So entsteht eine skeptische Grundhaltung gegenüber einer revolutionären Technologie, der ich gerne argumentativ entgegen treten möchte. Im Idealfall kann ich dazu beitragen fundamentale Lücken zu schließen und die Qualität der Berichterstattung insgesamt zu heben. 

Heute geht es um den Artikel „Die Stromjagd der Bitcoin-Branche“ erschienen auf FAZ.net am 29.3.2018. Thematisiert wird der Energieverbrauch durch Bitcoin Mining und der Trend Mining in Länder mit niedrigen Strompreisen zu verlegen.

Jede Woche stellen die Frankfurter zurzeit in einem unterirdischen Rechenzentrum in Norwegen zwei Container auf, in denen Bitcoin produziert werden.

Faktisch nicht falsch, jedoch sind Bitcoin Miner keine Fabriken in denen etwas produziert wird. Die Aufgabe von Minern ist die Bestätigung von Transaktionen. Um das Mining dezentral zu organisieren, muss es einen Anreiz geben sich daran zu beteiligen. Deswegen werden an die Miner Bitcoins verteilt, denn ohne ihre Arbeit könnten keine Überweisungen getätigt werden. Durch die verteilten Bitcoins wird der Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur finanziert, die das Bitcoin-Netzwerk sicher und unabhängig macht. Zusätzlich wird die Währung in Umlauf gebracht, denn eine dezentrale Währung muss irgendwie unter die Leute gebracht werden.

Fazit: Miner produzieren nicht einfach nur Bitcoins, sie erhalten sie als Belohnung für das Ausführen von Transaktionen und dem Schutz vor Manipulationen.

Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass allein 2018 rund 130 Terrawattstunden verbraucht werden. Das entspreche in etwa dem Stromverbrauch von ganz Argentinien.

Das Mining verschlingt so viel Energie, weil die IT-Chips, die die Bitcoin berechnen, rund um die Uhr auf Höchstleistung arbeiten.

Streng genommen auch nicht falsch. Leider wird nicht erklärt warum die Miner pausenlos rechnen. So entsteht der Eindruck gierige Miner produzieren auf Kosten der Umwelt Bitcoins um sich persönlich zu bereichern. Wer kann ein solches System gut finden?

Leider wird nicht erwähnt warum die Miner pausenlos rechnen: Es wird Vertrauen unter Personen geschaffen, die sich eigentlich nicht vertrauen. So kann man ohne die Hilfe einer Bank Werte übertragen. In einem dezentralen Umfeld funktioniert das nur, in dem man Manipulation durch Dritte ausschließt. In diesem Fall sind die Hürden finanzieller Natur. Das Bitcoin Netzwerk besitzt soviel Rechenkraft, das kein Unternehmen, kein Geheimdienst und auch keine Nation das notwendige Kapital aufbringen kann um das Netzwerk zu manipulieren und Transaktionen zu verfälschen.

Interessant finde ich außerdem, dass bei solchen Kritikpunkten häufig Banken als einordnende Experten zu Rate gezogen werden. Digiconomist kommt bzw. auf eine Schätzung von knapp 60 TWh. Übrigens verbraucht das Internet deutlich mehr Strom. Legt man die Daten der ETH Zürich zugrunde, liegt der Stromverbrauch des Internets im Jahr 2018 bei ca. 1200 TWh.

Fazit: Der Stromverbrauch ist kein Selbstzweck. Außerdem sollte man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

 

 Im Umlauf sind derzeit 16,9 Millionen, je mehr hinzu kommen, desto komplexer werden die Aufgaben, die es zu entschlüsseln gilt, und desto mehr Strom frisst die Prozedur.

Die Komplexität (genannt Difficulty) steigt nicht mit der Anzahl der Bitcoins. Sie ist abhängig von der verfügbaren Rechenleistung im Netzwerk. Ca. alle zwei Wochen wird der Wert angepasst, um die durchschnittliche Dauer zum Lösen eines Blockes bei 10 Minuten zu halten. Steigt die Rechenleistung steigt die Difficulty. Sinkt die Rechenleistung, wird die Diffculty abgesenkt.

Der Stromverbrauch hat damit erstmal nichts zu tun. Hauptaufgabe eines Miners ist die Berechnung eines SHA-256 Hashwertes. Dafür wurden spezielle Prozessoren entwickelt. Jede neue Generation ist effizienter, kann also schneller rechnen und dabei weniger Strom verbrauchen.

Fazit: Die Anzahl der im Umlauf befindlichen Bitcoins und der Stromverbrauch durch Mining haben nichts miteinander zu tun.

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Über den Autor

Ich bin seit 2012 in der Kryptoszene aktiv, die damals eigentlich nur aus Bitcoin bestand. Von Anfang an faszinierte mich die Blockchain-Technologie und die daraus entstehenden Möglichkeiten. Ich teilte mein erworbenes Wissen auf Vorträgen und in diversen Publikationen. Mittlerweile entwickelt sich das Ecosystem so rasant, dass ein Portal der nächste logische Schritt ist, um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten. So ist TheCoinscout entstanden. Hier möchten mein Team und ich Grundlagen vermitteln, aber auch aktuelle Entwicklungen analysieren. Du willst mehr erfahren? Hinterlasse einen Kommentar oder schreibe uns eine Nachricht!

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