NEM ist eine Blockchain-basiertes Peer-to-Peer Netzwerk. Das Konzept zu der Blockchain wurde 2014 fertiggestellt, das Hauptnetzwerk startete im März 2015. Nutzer können mit NEM eigene Anwendungen auf dem Netzwerk entwickeln. Dies umfasst auch eigene Kryptowährungen und Crowdfunding Token. NEM steht für „New Economy Movement“ und wird von der gemeinnützigen Organisation NEM.io Foundation mit Sitz in Singapur betrieben. Die Kryptowährung XEM nur ein Teil des Gesamtkonzepts, das hinter NEM steht. Ziel der Entwickler ist es, eine Plattform zu schaffen, auf der eine faire, nachhaltige, dezentrale und solidarische Wirtschaft möglich ist. Eine Analyse von TheCoinscout.

Alleinstellungsmerkmale von XEM

Der Code, auf dem die Plattform und die Währung basieren, wurde von den Entwicklern vollständig neu geschrieben. Ursprünglich basierte der Code auf dem Vorgänger Nexxt (NXT), ähnlich wie dies bei Ripple (XRP) und Stellar Lumens (XLM) der Fall war. Damit hat NEM die Schwachpunkte von Bitcoin und anderen Kryptowährungen, die die Bitcoin-Blockchain als Ausgangspunkt haben, vermieden. Da NEM aber dennoch  auf einer Blockchain basiert, können so immer noch die Vorteile dieser Technologie verwendet werden.

Besonders ist dabei das verwendete Validierungsverfahren von Transaktionen. Während bei Bitcoin das Proof-of-Work-Verfahren (PoW) verwendet wird, das mittlerweile sehr rechen- und damit energieintensiv ist, kommt bei NEM ein Proof-of-Importance-Verfahren (PoI) zum Einsatz. Das entspricht dem Fairness-Gedanken hinter der Technologie. Während beim PoW die Rechenleistung des Computers und damit das Equipment der Nutzer über den Mining-Erfolg entscheiden (und damit deren finanzielle Möglichkeiten), bestimmt beim PoI die „Wichtigkeit“ der Konten über den Erfolg und berechnet daraus einen „trust score“, mit dem sich Coins im Gegensatz zum Schürfen ernten („harvest“) kann. In diesen Faktor fließt nicht nur die Menge an XEM, die ein Nutzer hat, sondern auch die Anzahl seiner Transaktionen und mit wem die Transaktion stattfand. Das soll dazu führen, dass diejenigen, die zum Erfolg und Wachstum von NEM beitragen, dafür belohnt werden. Dadurch, dass sich die individuellen Erfolgschancen auf das Abschließen eines Blocks in der Blockchain – und damit das Ernten von Coins – durch einen hohen „trust score“ steigern lassen und nicht durch verfügbare Rechenleistung, kann man auch mit einfachen Computern Coins ernten.

Warum NEM – welche Probleme löst der Coin?

Wesentlich für die NEM-Entwickler war es nicht, eine Konkurrenz zu Bitcoin & Co. in Sachen Kryptowährung aufzubauen, sondern ein System zu präsentieren, das möglichst leicht anpassbar ist und so eine ganze Reihe an Anwendungsgebieten hat – ohne dabei auf die Grundidee von Kryptowährungen zu verzichten: eine dezentrale Transaktionsplattform.

Durch den Einsatz von APIs können Privatunternehmen die Technologielösung nutzen, ohne zuerst eine Reihe von Programmierern einstellen zu müssen. Ebenfalls können Nachrichten sowohl verschlüsselt als auch unverschlüsselt versendet und empfangen werden.

Diese breite Anwendbarkeit soll durch den EigenTrust++-Algorithmus gesichert werden, mit dem einzelne Knotenpunkte der Transaktion schnell und einfach als vertrauenswürdig oder nicht eingestuft werden können, was die Anzahl der Transaktionen pro Sekunde deutlich erhöht.

Gerade bei Kryptowährungen wie Bitcoin ist der horrende Energiebedarf zur Validierung der Blockchain ein großes Problem. So braucht die Bitcoin-Blockchain zum jetzigen Stand 2019 etwa genauso viel Energie wie die gesamten USA. Findet das Lightning-Netzwerk der BTC-Blockchain breite Anwendung, so benötigt die Blockchain nur einen Bruchteil der Energie. NEM basiert zwar ebenfalls auf der Blockchain-Technologie, verzichtet aber auf das energieintensive Proof-of-Work-Verfahren und setzt auf das Proof-of-Importance-Verfahren zur Validierung von Transaktionen. Dadurch sind keine leistungsstarken Rechner mehr notwendig, um Blöcke der Blockchain abzuschließen. Das reduziert nicht nur den Energiebedarf, sondern öffnet das Mining, bei NEM „harvesting“ genannt, auch für Nutzer mit einfachen Computern.

Sichere Verwahrung der digitalen Währung

Die XEM lassen sich in einem von dem Projekt zur Verfügung gestellten Wallet, dem NEM Nano Wallet, sichern. Mit diesem lassen sich auch Nachrichten verschicken sowie weitere Funktionen der Technologie nutzen. Die NEM Nano Wallet ist für Windows, OSX sowie Linux verfügbar.

Das NEM-Team

Bis auf eines der Gründungsmitglieder, das nur unter dem Pseudonym „QM“ bekannt ist, sind alle hochrangigen Mitglieder der NEM.io Foundation namentlich bekannt und auch in den sozialen Medien präsent. Da der verwendete Code Open Source ist, können Programmierer weltweit an der Entwicklung von NEM mitarbeiten. Im September 2017 gründete die Foundation in Kuala Lumpur/Malaysia eine Einrichtung, dass Blockchain Center, in dem auf mehreren tausend Quadratmetern Entwicklern Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt worden. Hinter der Grundidee von NEM steht „UtopianFuture“ – ähnlich wie bei Bitcoins Schöpfer(n) Satoshi Nakomoto ist nichts über deren oder dessen Identität bekannt. Und ebenso wie Nakomoto verschwand auch „UtopianFuture“ bald wieder von der Bildfläche. Aber das entspricht dem Gedanken, dass die Entwickler von NEM sich als Bewegung verstehen.

Die Technologie hinter XEM

Der Code, auf dem die gesamte Technik und damit auch der Kryptowährung XEM basiert, ist vollständig von dessen Entwicklern selbst programmiert worden. Ziel war und ist es, so eine Plattform zu gestalten, auf der neben dem Handel mit den Coins auch Transaktionen in der Realwirtschaft prozessiert werden können. Das heißt, dass die von NEM zur Verfügung gestellte Infrastruktur auch ohne Verwendung von XEM nutzbar ist.

Dabei setzt NEM auf die bekannte Blockchain-Technologie, ersetzt das Proof-of-Work-Verfahren aber durch das oben beschriebene Proof-of-Importance-Verfahren.

Um die Sicherheit der Transaktionen zu gewährleisten, verwendet NEM den sogenannten EigenTrust++-Algorithmus. Dieser soll gegen ein Problem vorsorgen, das dezentrale Transaktionssysteme mit sich bringen: Da es keine zentrale Instanz gibt, die über die Vertrauenswürdigkeit von Transaktionspartnern entscheidet, sind Hacker zumindest eine Gefahr, die durch komplexe Validierungsverfahren ausgeschlossen werden muss. Die Implementierung von EigenTrust++ sorgt dafür, dass die Vertrauenswürdigkeit der Nutzer davon abhängt, dass andere Nutzer ihnen vertrauen, d.h. erfolgreich Transaktionen mit ihnen durchführen. Wenn so z.B. Nutzer A Nutzer B vertraut und Nutzer B einem dritten Nutzer, C, vertraut, dann ist auch für Nutzer A Nutzer C vertrauenswürdig. Das ist einer der Gründe, weshalb die Transaktionsgeschwindigkeit auf NEM bei 4,000 Transaktionen pro Sekunde liegt. Das ist im Gegensatz zu 800 Transaktionen pro Sekunde bei IOTA und 1,700 bei VISA ein deutliches Plus.

Statistiken

  • Start: 31. März 2015
  • Summe der Coins: 8,999,999,999 XEM sind maximal verfügbar
  • Transaktionszahl: 4,000 Transaktionen pro Sekunde.
  • Algorithmus: Proof of Importance (POI)
  • Block time/reward: Jede Minute wird ein neuer Block generiert; die geerntete Menge an XEM richtet sich nach dem individuellen “trust score”

Emission: Alle Coins sind in Umlauf. Es ist nicht bekannt, wie viele Prozent davon von der NEM.io Foundation gehalten werden.

Entwicklung seit dem Initial Coin Offering (ICO)

Die Ausgangsidee des Projektes war es, eine Abspaltung der bereits existierenden Kryptowährung Nxt zu entwickeln. Diese Idee wurde jedoch schnell zugunsten eines komplett eigenen Codes verworfen, der unter einer Open-Source-Lizenz steht.

Mit einer Marktkapitalisierung von mittlerweile über 16 Milliarden US-Dollar ist NEM deutlich unter den Top 10 der Kryptowährungen. Anfang Januar 2018 entspricht 1 XEM dem Wert von rund 1,54€ – und das in nur rund 2,5 Jahren seit dem Start der Währung.

Fazit und Ausblick

Verglichen mit den Werten von Bitcoin, Monero und Ethereum entwickelte sich NEM deutlich langsamer. Aber dessen Entwicklung seit seinem Start sowie das enorme Potential, das die Technologie für die Realwirtschaft mit sich bringt, können eine große Zukunft für die Kryptowährung bedeuten. Schon jetzt gehört NEM gemessen an seiner Marktkapitalisierung zu den Top 10 unter den bedeutendsten Coins. Hinzu kommt, dass das Angebot auf 8,999,999,999 XEM limitiert ist, was sich bei einer weiteren Verbreitung von NEM kurssteigernd auswirken kann.

Aber das Ziel von NEM ist es nicht in erster Linie, anderen Kryptowährungen Konkurrenz zu machen, sondern eine dezentrale, energiearme, effiziente und faire Infrastruktur bereitzustellen – eben eine Bewegung hin zu einer neuen Wirtschaft. Sollte sich die Technologie in Unternehmen verbreiten, wird entsprechend der Wert von NEM deutlich steigen.

Während die Kryptowährung zwar bereits Stresstests bei Banken bestanden und die Ergebnisse komplett offengelegt hat, kann man sie bisher noch nicht zum Bezahlen außerhalb des NEM-Systems nutzen. Aber da es sich um ein noch junges Projekt handelt, kann sich auch das in Zukunft ändern. Hinzu kommt, dass die NEM.io Foundation seit Mitte 2017 stärker expandiert und erst im November 2017 90 Millionen US-Dollar in Start-Ups investiert hat.

Mit dem eingesetzten EigenTrust++-Algorithmus haben die Entwickler einen schnellen und effizienten Sicherheitsmechanismus implementiert, der mit 4.000 Transaktionen pro Sekunde Konkurrenten wie Bitcoin und Ripple deutlich schlägt.

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